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Beschäftigungstherapie

Et voilà, mein Blog: mein Blog, der seine Entstehung dem pfiffigen Ratschlag einer langjährigen Freundin verdankt - wenn dein Stimmungstief die Ausmasse des Mariannengraben angenommen hat, ist das Internet immer noch dein Freund. Insbesondere, wenn es darum geht zu spätnächtlicher Stunde deine erstaunlich aktiven Gehirnzellen beschäftigt zu halten (so du Skrupel hast rechtschaffene Mitmenschen zwecks Besprechung semi-relevanter Thematiken aus wohlverdientem Schlaf zu klingeln).

Blog, also. Blog ist gut, vor allem wenn frau jegliche Konzentration fehlt zu richtigem Schreiben - zum Verfassen von stilistisch halbwegs annehmbarer Prosa mit einem Minimum an nachvollziehbaren Plot, will sagen.

Blog ist in meinem Fall definitiv geeigneter als der zweite beschäftigungstherapeutische Ratschlag besagter Freundin, youtube nämlich, immerhin kann man sich hier tippend der Illusion hingeben, irgendetwas zu tun, das a) immer noch produktiver ist als die dillettantischen Versuche, verschiedene Clips zu gesamten Folgen von "Coupling" zusammzustückeln und b) moi nicht auf mässig subtile Weise vor Augen führt, dass es sich möglicherweise in der persönlichen kleinen Comedy meines Lebens ausgecoupled  hat, vorerst zumindest. Oh well.

 

8.7.07 23:44


Oh b****r: wurde soeben von einem befreundeten, doch kritischen Kritiker darauf hingewiesen, dass der Protagonist meiner neuen Erzählung schwere Tendenzen zur "Mary-Sue" (beziehungweise, in der männlichen Variante, Murray Stu?) hat. Mary-what? Ein, wie ich mich belehren ließ, aus dem Fanfiction-Sprachgebrauch entlehnter Begriff für einen Über-Charakter, der mittels perfekter Kampftechnik, überragender Intelligenz und genereller Großartigkeit stets den Tag rettet, dabei noch bildschön anzusehen ist (und öfter mal darunter leidet) und einige weniger offensichtlich enervierende Züge aufweist, auf die man die eigene Figur hier http://limyaael.livejournal.com/168013.html abklopfen kann. Also, here we go...

The Name-Game: noch liegen wir gut voran, mein Chara und ich. Weder trägt er einen originellen "talking" Spitznamen, noch ist er nach einer mir bekannten existenten (historischen) Person benannt oder sonstwas. Allerdings heißt er "Stuart" mit Vornamen. Ohne Murray, möchte ich betonen. Oh well.

Äusserlichkeiten: tja, die ersten Punkte werden gesammelt, für mehrfache Beschreibung von Augenfarbe und Frisur, und den Umstand, dass zwei Damen der Gesellschaft und ein spöttelnder Gegenspieler langatmig die "dashing good looks" meines Protagonisten diskutieren.

Background der Figur: cheerio, noch mehr Punkte zu kassieren: ein auf hoher See verschollener Vater, eine frühverstorbene Mutter, Soapklischees ahoj. Zumindest ist er nicht integraler Bestandteil einer dunklen Prophezeihung. Wir können weiterhoffen.

Fähigkeiten: noch mehr Punkte für exzellente Kampf- und Strategiefähigkeiten und Mehrsprachigkeit, aber da er nicht noch dazu eine gute Singstimme hat und auch nicht zaubern kann, kann es nicht so schlimm sein. Says I.

Persönlichkeit und Beziehungen: d'accord, wir liegen ganz gut in dieser Kategorie, Fehler hat er ausreichend, schlechte Angewohnheiten auch, er bekehrt keinen Schurken, macht den einen oder anderen Fehler und ist nicht sonderlich beliebt. Eine wandelnde Mackensammlung. Hm. Ob das auch wieder ein Klischee ist? Und "love interests" gibt es auch in Hülle und Fülle. Cheerio.

Hah, ein interessanter Punkt: Sind die Wahrnehmungen der Charakters ident mit der objektiven Realität, fragt der Test. Wie beantwortet man diese Frage, wenn man aus erster Person schreibt? Und an objektive Realitäten zu glauben weigere ich mich, sogar und ganz besonders in meinen Erzählungen.

"Do all the women/men love him?" Hm. Zwei Ladies, ein Gentleman haben die Ehre sich in ihn zu verlieben. Aufgrund der Personaldichte der Geschichte keinewegs "alle", aber mehr als gesund, I would suspect. Weiter im Text: Draufgänger ist er, Schwierigkeiten bekommt er für seine Art allerdings genug, grübeln/nachdenken tut er selten und schon gar nicht über Dinge, die nicht seine Schuld sind, fürchten tut er sich selten (Mangel an Phantasie).

Letzte Kategorie, fast geschafft: Würde ich gerne mit meiner Figur ins Bett gehen? Wie bitte? Interessant, worüber man sich Gedanken machen kann. Nein. Oder? ;-) So ein eleganter Gentleman des 18.Jahrhunderts wäre sicherlich eine Bereicherung... solange man sich nicht an dem damaligen Hygenieverständnis stösst. Tue ich aber. Also - nein, nein, und nochmals nein.

Und die Auswertung besagt - noch mal mit einem blauen Augen davongekommen. Ein bisschen Klischee Murray-Stu ist er schon, der Junge, aber noch keine Katastrophe. Don't get carried away.

Was für eine Art, beinahe eine Stunde zu vergeuden. Amazing.

9.7.07 00:41


Interview

Es soll Menschen geben, die Interviews führen können. Menschen, die gleichzeitig lächeln und (vernünftige) Fragen stellen können (die sie im Kopf haben), Menschen denen es keine gröberen Probleme bereitet, binnen 30 Sekunden ein Mikrophon an ein Aufnahmegerät sinnvoll anzuschliessen, Menschen denen es gelingt, den/die InterviewpartnerIn zurück zum Thema zu bringen, wenn er/sie sich bemüssigt fühlt, die Frage höchst inflationär zu beantworten oder in Kindheitserinnerungen schwelgt.

Und es gibt mich.

Ich bin diejenige, die sich nicht nur nicht an ihre Fragen erinnert, sondern sie auch nicht mehr lesen kann - zwei Stunden brainstorming und ein getippter Leitfaden am Vortag sind schliesslich nur dazu da, völlig von einem Geistesblitz überschattet zu werden, der einen unglücklicherweise immer in der U-Bahn ereilt, insbesondere wenn man keinen Sitzplatz ergattert hat. Soetwas ist der Handschrift ordentlich abträglich. A propos Handschrift: ich habe vier davon. Lesen kann ich keine, wenn es darauf ankommt, but what the heck, improvisieren ist schön, wunderbar, alles könnte glatt gehen.

Wären da nicht zwei unberechenbare Faktoren:

a) Die Sache mit dem Aufnahmegerät: ein Aufnahmegerät ist ein Apparat, erkennbar an drei Grundeigenschaften: 1) seine Batterien sind leer, auch wenn man sie vor verlassen des Hauses überprüft hat (natürlich hat man Ersatzbatterien mit, da man hiermit bereits rechnet, die man jedoch nicht einsetzen darf, bis das Gespräch begonnen hat - that's the rule of the game). 2) die Kopfhörer funktionieren nicht oder reissen wahlweise ab (ja, das geht, Kinder. Ich habe es selbst probiert) oder 3) man schliesst das Mikrophon falsch an (was sogar dann möglich ist, wenn es nur zwei Ausgänge gibt und in den einen ganz sicher die Kopfhörer gehören. Trust me)

b) der/die GesprächspartnerIn: zeichnet sich durch enorme Eloquenz und den Unwillen, auch nur eine meiner Fragen beantworten zu wollen aus. Fragt man ihn/sie nach dem Fortgang seines/ihres neuen Romans, der Hintergrundgeschichte eines Bildes, dem Grund, weshalb er/sie nach Wien gezogen ist, erzählt er/sie mir von postmoderner Philosophie, dem Schoßhund seiner/ ihrer Mutter oder Kardinal Richelieu und erklärt das Gespräch nach einer halben Stunde, wenn ich mich endlich an meine zweite (von fünf) Fragen erinnern kann, für beendet.

Und da sind dann noch die Kleinigkeiten: der Kaffee, den man sich unweigerlich noch rasch auf dem Flur über die Hose gekippt hat, der Umstand, dass bei einer Pressekonferenz immer das eigene Mikrophon umkippen wird, und die verwunderten Blicke, wenn man bei einem Termin um zehn Uhr auch wirklich dreieinhalb Minuten vor zehn auf der Schwelle steht: was machen SIE denn schon hier?

Ich hasse Interviews.

Aber: Ich liebe es zu schreiben (solange es sich nicht um meine Diplomarbeit dreht): Romane, Kurzgeschichten, Artikel, Essays, sogar Seminararbeiten (und natürlich Rants, Ganz besonders Rants.)

Trotzdem im falschen metier?

10.7.07 21:53


Ein verstörender Gedanke

Es gibt Tage, an denen ich nüchtern bin und mir trotzdem wünsche ein Leben zu führen, wie es in den beliebigen Hollywood-Soaps, die anzuschauen ich mich seit vielen Jahren standhaft weigere, propagiert wird: ich will auch das Recht haben, schiefgelaufene Tage bildschirmfüllend zu betrauern (ohne anschliessend mit rotgeheultem Zombieblick durch die Gegend zu taumeln, wohlgemerkt), ich will bedeutungsschwere Blicke und weiterwissende Freunde und warmherzige Mütter (in Ordnung, eine von letzterer Sorte würde schon genügen).

Was schiefgegangen ist? Ha, ha. Das Interview natürlich, goddamnit. So gründlich schiefgegangen wie noch keines davor (und, hopefully, keines jemals wieder). So dermaßen schiefgegangen, dass ich nicht darüber reden, nicht darüber schreiben werde.

Und wie reagieren die ausgewählten Personen, die ich noch beim Verlassen meines metaphorischen Waterloo telefonisch über meine Schmach in Kenntnis setze?

Freundin A: "Gehen wir Mittagessen?" (das, geneigte/r Leser/in, war die mit Abstand mitfühlendste Reaktion.)

Maman: "Also ich kenn sonst niemanden, der sowas zusammenbringt. Ist auch schon wieder ein Talent." (Bin ich über-optimistisch, wenn ich hier ein "ich bin stolz auf dich, Kind" hineinlese?)

Freund B: "Wenn du ein Interview machst, kannst du dir ja in Zukunft vorstellen, du gehst mit Jack Davenport einen Cocktail trinken" (Was.Bitte.Soll.Das.Auf.Deutsch.Heißen? Freund B konnte es mir nicht erklären, aber es ist immer wieder schön den irren Fangirlie-Stempel zu tragen. *wheeee*)

Ich werde das Telefonieren aufgeben. Gleich nach dem Interviewen.

11.7.07 22:14


The Games People Play

Aye - bin einem bescheuerten Partyspiel aufgesessen. Das in etwa so funktioniert: man schreibt fünfzehn Songtitel auf, die einem gerade in den Sinn kommen, nummeriert diese und schon dienen sie in weiterer Folge als orakelhafte Antworten zu diesem Fragenkatalog. Was ich von meiner Auswertung halten soll, weiß ich noch nicht so genau...

1) Wie sieht dich die Welt: "Factory Girls" (Nein, ich war nicht beleidigt. D'accord, ein bisschen vielleicht. Sollte vielleicht einfach gehen und über den imho deprimierendsten aller Flogging Molly Songs meditieren. *sigh*

2) Werde ich ein glückliches Leben führen? "N'oublie jamais". (Passend enigmatische Reaktion auf eine derart bescheuerte Frage.)

3) Was denken Freunde von mir? "Dante's Prayer". (Sogar noch kryptischer. Hm.)

4) Schwärmen Leute von mir? "Perhaps". (oi, sind wir informativ. Wenn ich die Grundaussage jeglicher Orakelei mit dem "Coupling"-Theme zusammenfassen darf: Perhaps-perhaps-perhaps)

5) Wie kann ich mich selbst glücklich machen: "Whiskey Lullaby". (Cheerio. Fassen wir's zusammen: Säuferin, Arbeitstier und ansonsten kryptisch. Warum schwirren auch nur so bescheuerte Songs in meinem Hirn herum?)

6) Was soll ich aus meinem Leben machen? "Glory Tonight". (Heute? Jetzt gleich? Den bahnbrechenden Roman beginnen? Aye, mates, avast!)

7) Werde ich je Kinder haben? "Is this real life". (Oh-oh. Beunruhigend. Sehr beunruhigend.)

8) Ein guter Ratschlag für mich: "Holding out for a hero". (Nein. Nein. Kein Kommentar. Damnit.)

9) Wie werde ich erinnert werden? "Once before I go". (Endlich mal was, das mir gefällt.)

10) Meine musikalische Signatur: "Diamonds and Rust". (Sowohl Frage als auch Antwort kryptisch, Person die die Fragen entworfen hat, konnte sich auch nicht mehr erinnern was gemeint war. What the heck.)

11) Mein Theme-Song: "You think you're a man" (*looooool* Nein, bin eigentlich sehr überzeugt, dass dies nicht der Fall ist. Herrlich krank, das.)

12) Welchen Theme-Song würden andere für dich wählen: "Le Moribond" (Gut, in Ordnung: es kann nicht schlimmer werden. Ich füge mich meinem Schicksal.)

13) Welcher Song soll bei meinem Begräbnis gespielt werden? "Oh what a Circus" (*wheeeee* Ich nehme ALLES zuück. Ich liebe das Orakel. Es kennt mich doch verdammt gut - teilweise.)

14) Was für einen Typ Mann mag ich besonders gern? "Dandelion Wine". (Hm. Ein Säufer für die Säuferin aus Frage 5?)

15) Und wie schaut es mit meinem Liebesleben aus? "Everybody knows" (Ich bin ja so froh, dass ich mich in letztem Moment entschieden habe, dass wenn schon ein Leonard Cohen Song in meine Liste kommt, es nicht "First we take Manhatten" sein soll.)

Hm. Manchmal braucht frau schon eine Menge Selbstironie, um durch den Abend zu kommen.

15.7.07 01:05


Setzt die Segel!

Werfen wir einen Blick in den Rückspiegel, auch wenn es uns schwerfällt, haben wir uns nicht schon lange dazu erzogen, nach vorne zu sehen, immer nach vorne, aber gehen wir es ruhig ein, das Risiko, stehen zu bleiben, zurückzuschauen - immer noch besser, als im Stand zu laufen.

Letzten Sommer also: da war ich im Begriff mich für ein halbes Jahr in die Niederlande zu verabschieden, da hatte ich den Vertrag für eine Romanveröffentlichung in der Tasche, das Versprechen der einen oder anderen Affaire, des einen oder anderen Abenteuers, und - nicht zu vergessen - eine halbwegs begonnene Diplomarbeit, ein halbwegs beendetes Studium.

Zumindest an letzterem hat sich nicht allzu viel geändert: Studium und Diplomarbeit müssen immer noch beendet werden, aber sonst: ich bin zurück in Wien, grundlos, eigentlich. Ich habe zwei Romanfragmente die zuende geschrieben werden sollten und die wehmütige Erkenntnis, dass ich niemals in der Lage sein werde, den verdammten, den altbekannten drei-Worte-Satz zu äussern, auch wenn er noch so angebracht wäre.

Wenn es mir jetzt nur gelänge, mich am Riemen zu reissen: schliesslich, was bewirkt es schon, sich in seiner selbstkonstruierten Quater-Life-Crisis zu suhlen, in der Perspektivenlosigkeit zu schwelgen? Warum nicht beginnen, Dinge zu tun? Wenn in psychischer wie emotionaler Hinsicht ohnehin gegenwärtig nicht mehr viel zu retten ist, warum sich dann so ausgiebig damit auseinandersetzen?

Sollte man nicht erst einmal die äusseren Faktoren in Ordnung bringen? Die Freiheit Vagabundendaseins aufgeben zu Gunsten der einen oder anderen "Kleinigkeit", die es da noch zu erledigen gibt?

Aye. That's it: Bis Anfang Oktober werde ich: mein verbleibendes universitäres Durcheinander geregelt haben (inklusive Prüfungsanmeldungen, Beendigung ausstehender Seminararbeiten und bürokratischen Wahnsinn), werde sowohl die Führerscheinprüfung bestanden als auch einen netten Nebenjob gefunden haben, werde ein ordentliches Stück weiter sein in einem der beiden Romanfragmente, werde begonnen haben, die verfluchte Diplomarbeit zu schreiben, werde... Whatever.

15.7.07 15:53


Das Norrington-Syndrom

Es war vor nicht allzu langer Zeit, als eine Freundin und ich mit recht langen Gesichtern zu vorgerückter Stunde aus einem Kinosaal torkelten und fasziniert festellen mussten, dass - kaum hatten wir geäussert, eine fiktive Figur ganz besonders zu mögen, und bei der es sich um eine weitgehend wichtige Nebenrolle handet - diese mit Sicherheit das Zeitliche segnen würde, und zwar deutlich bevor der Film, das Buch, was auch immer, zuende war: und weil wir uns an jenem Abend gerade "Fluch der Karibik" zu Gemüte geführt hatten und es sich bei besagter fiktiver Figur in diesem Falle um den werten Admiral Norrington gehandelt hatte, wurde das Phänomen als "Norrington-Syndrom" betitelt.

Soweit die Vorgeschichte. Warum ich das ganze erzähle? Nun, aus aktuellem Anlass.

SPOILER:

Als ich vor ebenfalls nicht allzu langer Zeit in einem Diskussionsforum im Rahmen einer Debatte, wer denn möglicherweise im 7. Harry-Potter-Band sterben würde, sinngemäß postete: "Solange es nicht Remus Lupin ist... ich habe es langsam satt, dass meine Lieblingscharaktere frühzeitig den Löffel abgeben" - nun, in diesem Moment hatte ich offenkundig sein Schicksal besiegelt, auch wenn im Zuge der weiteren Diskussion diese Theorie als eher absonderlich angesehen wurde - wer zum Geier würde schon auf die Idee kommen, ausgerechnet Lupin sterben zu lassen? Oh well.

SPOILER ENDE

23.7.07 23:53


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