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It's fiction, stupid!

Vor etwas mehr denn einem Jahr habe ich eine Erzählung geschrieben: es war bei weitem nicht meine beste, says I. Allerdings die kontroversiellste, bis jetzt. Einen hübschen Fanzirkel gibt es da, ebenso wie eine Reihe von Personen, die besagte Erzählung mit einer Inbrunst, die ich nur schwerlich nachvollziehen kann, hassen. Und nachdem es selbst für meine Begriffe zu hochmütig wäre, mich näher über erstere zu äusseren, sei dieser Blogeintrag eben zweiteren gewidmet: all jenen, die sich die Mühe gemacht haben, mir in Mails darzulegen, weshalb diese Erzählung - oder, in einigen wenigen Fällen, meine Person, das allerletzte sei... kleine Auszüge aus dem Kuriositätenkabinett gefällig? Da war der tief verletzte Katholik, der mich verfluchte, weil mein Protagonist die Formulierung "Jesus F***ing Christ" als Ausruf des Erstaunens hoch schätzt. Oder jenes belesene Leserexemplar, das sich echauffierte, es sei bei Frederic Beigbeder geklaut worden, weil eine meiner Figuren (klar erkenntlich) eine Stelle aus einem von Beigbeder's Romanen zitiert.

Aber, das allerschönste - und der eigentliche Entstehungsgrund für diesen kleinen Rant - war eine Mail folgenden Inhalts: "Du tust mir wirklich leid." Auf meine bescheidene Anfrage, weshalb, kam prompt diese Antwort: "Weil du beschissene Ansichten hast, Darling." Ein wenig verwundert war ich dann schon, ich gestehe es: 1) erstaunt mich die Selbstverständlichkeit, mit der Fremde annehmen, ich sei ihr "Darling", aber vielmehr 2) der Punkt, dass sich in weiterer Folge immer deutlicher zeigte, besagter Mail-Verfasser sei tatsächlich der Auffassung, die verdammten Meinungen meines Protagonisten seien die MEINEN. Gut, ich könnte einen derartigen Rückschluss eventuell noch verstehen, handelte es sich um eine Erzählung, die als autobiographisch aufzufassen sei: allein, meine Geschichte dreht sich um Innenansichten und Lebensphilosophien eines französischen Callboys. Und ich bin doch nicht einmal Französin. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich ein genderbendig Callgirl wäre, hätte ich vermutlich andere Probleme als auf sehr vielen Seiten zynisch-groteske Weltbetrachtungen darzulegen (Was keine Beleidigung oder Diskriminierung diverser Callgirls oder -boys darstellen soll, für den Fall dass sich hier ein/e Leser/in finden, die/der nämlicher Profession nachgeht und nämliches schreibt. Meiner Überzeugung entspricht es nur eher, dass die jeunesse d'oree, die - wenn überhaupt - nur aus zweiter Hand- Ahnung hat wovon sie eigentlich da genau schreibt, sich derart heikler Themen annimmt, weil es ihr Spass macht, zumindest mal fiktiv in der Problemkiste beziehungsweise in dem, was sie arroganterweise als "Dreck" definiert, zu wühlen.) Bevor jetzt jemand fragt - ja, folks, das war Selbstironie. Wenn sich nun ein/e Autor/in beleidigt fühlt - es war nicht auf dich im speziellen gemünzt.

Nevertheless: das ganze ist eine Geschichte. Fiktion. Nach meinem Templerroman habe ich auch nur zwei Mails bekommen, ob ich mich an einer Gralssuche beteiligen wollte, cheerio. Aber die Mehrheit meiner Leser haben kapiert, dass der Gral mich nur fiktiv interessiert, praise to them. Auch ist noch niemand der Vorstellung erlegen, ich sei frauenfeindlich, weil einer meiner Protagonisten in seiner Funktion als Marineoffizier des 19.Jahrhunderts ein etwas schräges Frauenbild vertritt. Also - warum zur Hölle wagt dann irgendwer zu glauben, ich würde mir ausgerechnet eine komplett verkrachte und kaputte Existenz als fiktives Alter-Ego kreieren, um ihm meine Ansichten in den Mund zu legen? Es sind Momente wie diese, die mich an dem Eindruck, den ich auf andere Menschen mache, zweifeln lassen.

12.8.07 01:07





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