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Die Insel

Inspiration?

Jede/r Autor/in lässt sich von bereits vorhandenen Werken der (Pop)Kultur inspirieren, ob bewusst oder unbewusst - nicht weiter erstaunlich. Alles kann zur Inspiration dienen in kreativen Phasen, alles kann umgewandelt und für eine Story verwendet werden.

Und genau hier beginnt das Problem: die ehrliche Autorin wird sich ihre Inspirationsquellen durchaus eingestehen. Hey, ihr Protagonist verwendet ein paar ähnliche Redewendungen wie Figur A aus Roman B, die komplexe Beziehung zwischen Protagonist und Sidekick ähnelt ein bisschen jener zwischen X und Y, und wenn sie sich Protagonist vorstellt, sieht er durchaus so aus wie der Schauspieler, der C verkörpert hat, ausserdem kann man keine Age-of-Sail-Romane mehr schreiben, ohne auf E und F Bezug zu nehmen, und diese kleinen Anleihen sind doch nur eine Hommage, eine augenzwinkernde Verneigung.

Wie vielleicht bereits bemerkt, verfügt über besagte Autorin über eine exzellentes Talent zum Selbstbetrug.

Dann lässt sie das Manuskript ein Weilchen (einen guten Monat)liegen, aufgrund Schreibblockade, ungefähr zwei Kapitel fehlen noch zum glänzenden Abschluss. Da die Deadline drohend näherrückt, wagt sie sich zuletzt wieder an die Arbeit.... und erbleicht und erschrickt.

Wie hat sie im Prozess des Schreibens nur nicht bemerken können, dass die Inspirationen überhand nahmen, dass die Vorlagen so deutlich erkennbar sind, dass es richtig, unglaublich, entsetzlich peinlich ist? 

Nun bleibt sie vor die Wahl gestellt, entweder den Roman ad acta zu legen und neu zu beginnen (Deadline ahoi) oder den großen literarischen Besen zu ergreifen und ein halbes Dutzend historischer Figuren (von Alexander Hamilton über Wellington bis Lord Nelson), den halben Master&Commander-Cast, die Cutty Sark, Jonathan Strange & Mr Norrell, Lord John, die eine oder andere Figur aus Jane Austen's Werken, Sherlock Holmes, die Navy-Boys auf Fluch der Karibik sowie Horatio Hornblower und Konsorten aus ihrer Geschichte zu jagen, weil die Herrschaften dort verdammt noch mal nichts zu suchen haben.  

25.10.07 01:43


Oh b****r: wurde soeben von einem befreundeten, doch kritischen Kritiker darauf hingewiesen, dass der Protagonist meiner neuen Erzählung schwere Tendenzen zur "Mary-Sue" (beziehungweise, in der männlichen Variante, Murray Stu?) hat. Mary-what? Ein, wie ich mich belehren ließ, aus dem Fanfiction-Sprachgebrauch entlehnter Begriff für einen Über-Charakter, der mittels perfekter Kampftechnik, überragender Intelligenz und genereller Großartigkeit stets den Tag rettet, dabei noch bildschön anzusehen ist (und öfter mal darunter leidet) und einige weniger offensichtlich enervierende Züge aufweist, auf die man die eigene Figur hier http://limyaael.livejournal.com/168013.html abklopfen kann. Also, here we go...

The Name-Game: noch liegen wir gut voran, mein Chara und ich. Weder trägt er einen originellen "talking" Spitznamen, noch ist er nach einer mir bekannten existenten (historischen) Person benannt oder sonstwas. Allerdings heißt er "Stuart" mit Vornamen. Ohne Murray, möchte ich betonen. Oh well.

Äusserlichkeiten: tja, die ersten Punkte werden gesammelt, für mehrfache Beschreibung von Augenfarbe und Frisur, und den Umstand, dass zwei Damen der Gesellschaft und ein spöttelnder Gegenspieler langatmig die "dashing good looks" meines Protagonisten diskutieren.

Background der Figur: cheerio, noch mehr Punkte zu kassieren: ein auf hoher See verschollener Vater, eine frühverstorbene Mutter, Soapklischees ahoj. Zumindest ist er nicht integraler Bestandteil einer dunklen Prophezeihung. Wir können weiterhoffen.

Fähigkeiten: noch mehr Punkte für exzellente Kampf- und Strategiefähigkeiten und Mehrsprachigkeit, aber da er nicht noch dazu eine gute Singstimme hat und auch nicht zaubern kann, kann es nicht so schlimm sein. Says I.

Persönlichkeit und Beziehungen: d'accord, wir liegen ganz gut in dieser Kategorie, Fehler hat er ausreichend, schlechte Angewohnheiten auch, er bekehrt keinen Schurken, macht den einen oder anderen Fehler und ist nicht sonderlich beliebt. Eine wandelnde Mackensammlung. Hm. Ob das auch wieder ein Klischee ist? Und "love interests" gibt es auch in Hülle und Fülle. Cheerio.

Hah, ein interessanter Punkt: Sind die Wahrnehmungen der Charakters ident mit der objektiven Realität, fragt der Test. Wie beantwortet man diese Frage, wenn man aus erster Person schreibt? Und an objektive Realitäten zu glauben weigere ich mich, sogar und ganz besonders in meinen Erzählungen.

"Do all the women/men love him?" Hm. Zwei Ladies, ein Gentleman haben die Ehre sich in ihn zu verlieben. Aufgrund der Personaldichte der Geschichte keinewegs "alle", aber mehr als gesund, I would suspect. Weiter im Text: Draufgänger ist er, Schwierigkeiten bekommt er für seine Art allerdings genug, grübeln/nachdenken tut er selten und schon gar nicht über Dinge, die nicht seine Schuld sind, fürchten tut er sich selten (Mangel an Phantasie).

Letzte Kategorie, fast geschafft: Würde ich gerne mit meiner Figur ins Bett gehen? Wie bitte? Interessant, worüber man sich Gedanken machen kann. Nein. Oder? ;-) So ein eleganter Gentleman des 18.Jahrhunderts wäre sicherlich eine Bereicherung... solange man sich nicht an dem damaligen Hygenieverständnis stösst. Tue ich aber. Also - nein, nein, und nochmals nein.

Und die Auswertung besagt - noch mal mit einem blauen Augen davongekommen. Ein bisschen Klischee Murray-Stu ist er schon, der Junge, aber noch keine Katastrophe. Don't get carried away.

Was für eine Art, beinahe eine Stunde zu vergeuden. Amazing.

9.7.07 00:41





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